Wirtschaftlicher Totalschaden an einem Kraftfahrzeug – was ist das?

Bei einem Totalschaden muss unterschieden werden zwischen dem wirtschaftlichen, technischen und unechten Totalschaden:

Technischer Totalschaden

Es handelt sich um einen technischen Totalschaden, wenn die Reparaturkosten nach einem Verkehrsunfall so hoch sind, dass eine Reparatur des Fahrzeugs aus technischen Gründen nicht in Frage kommt. Das kommt dann vor, wenn das KFZ derartig stark beschädigt wurde, dass die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs nicht mehr hergestellt werden kann (zum Beispiel, wenn der Rahmen des Fahrzeugs in extremer Weise verzogen wurde). Daher tritt der technische Totalschaden auch nur in sehr seltenen Fällen auf.

Wirtschaftlicher Totalschaden

Der wirtschaftliche Totalschaden tritt im Gegensatz zum technischen Totalschaden viel häufiger auf, im Anschluss erfolgt eine Abrechnung der Versicherung auf Totalschadenbasis. Das passiert dann, wenn der Wiederbeschaffungswert des KFZ niedriger ist als die Reparaturkosten. Das Unfallopfer erhält in diesem Fall die Differenz von Wiederbeschaffungswert und Restwert ausgezahlt.

Was bedeuten Wiederbeschaffungswert und Restwert?

Als Wiederbeschaffungswert wird der Wert bezeichnet, den das Fahrzeug unmittelbar vor dem Verkehrsunfall hatte. Der Name kommt daher, dass er den Wert widergibt, der für eine Wiederbeschaffung eines vergleichbaren KFZ auf dem Gebrauchtwagenmarkt aufzubringen wäre.

Der Restwert wiederum ist der Wert des Fahrzeugs, den man für das KFZ in beschädigtem Zustand noch erzielen kann, also für den das Fahrzeug verkauft werden kann.

Die Ermittlung von Wiederbeschaffungswert und Restwert erfolgt in der Regel durch einen Sachverständigen, der nach vergleichbaren Fahrzeugen recherchiert und den Restwert parallel dazu durch Einstellen des KFZ in sogenannte Restwertbörsen ermittelt. Aufkäufer können in diesen Börsen Aufkaufgebote für das Fahrzeug im beschädigten Zustand abgeben.

Was bedeutet unechter Totalschaden?

Ein unechter Totalschaden kommt in der Praxis nicht häufig vor, denn er kommt nur bei neuwertigen Fahrzeugen in Betracht. Ein Fahrzeug gilt jedenfalls dann noch als neuwertig, wenn die Erstzulassung ca. 4 Wochen oder weniger zurückliegt. Der Bundesgerichtshof geht in diesen Fällen davon aus, dass das Integritätsinteresse des Unfallopfers dahin gehen darf, dass es weiterhin ein neuwertiges Fahrzeug besitzen möchte und nicht aufgrund des Unfalls ein Unfallfahrzeug fahren muss.

Ein unechter Totalschaden kann also in gewissen Fällen als Abrechnung eines wirtschaftlichen Totalschadens erfolgen, selbst wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert nicht übersteigen.

Wie wird ein unechter Totalschaden abgerechnet?

Dieser Fall ist dann gegeben, wenn die Reparaturkosten mindestens 30% des Wiederbeschaffungswertes ausmachen. Es ist in diesem Fall das Recht des Geschädigten, dass er genügend Geld von der Versicherung bezahlt kriegt, dass er sich einen Neuwagen kaufen kann.

Sollte man bei einem Totalschaden einen Anwalt beauftragen?

Das ist auf jeden Fall zu empfehlen. Zum einen handelt es sich bei der Abwicklung eines Totalschadens um ein oft sehr komplexes Szenario, zum anderen erleiden die Unfallopfer bei Unfällen mit Totalschaden leider auch häufig Verletzungen, für die Schmerzensgeld gefordert werden kann. Die Prüfung, welche Art des Totalschadens vorliegt und in welcher Höhe dem Unfallopfer Schmerzensgeld zusteht, gehört für einen im Verkehrsrecht erfahrenen Rechtsanwalt zur Routine, stellt Privatpersonen aber häufig vor unlösbare Probleme.

Der Vorteil dabei: Der Rechtsanwalt muss durch die Versicherung des Unfallverursachers bezahlt werden, für den Geschädigten besteht hier also kein finanzielles Risiko.

Was heißt Integritätsinteresse?

Unter Integritätsinteresse ist im Grunde nichts anderes zu verstehen, als das Recht des Unfalopfers, dass das KFZ nach einem Unfall in den Zustand zurückversetzt wird, in dem es sich vor dem Unfall befunden hat. Das Verkehrsrecht versucht hier also den Zustand herzustellen, als sei der Unfall überhaupt nicht passiert. Das mag in der Praxis natürlich unmöglich sein, aber aus Gründen der Billigkeit verfolgt das Verkehrsrecht diese Intention.

130-Prozent-Regel, was ist das?

Ein eher seltener und damit ein Ausnahmefall ist die sogenannte 130-Prozent-Regel. Diese besagt, dass bei einem Verkehrsunfall durch die Versicherung bis zu 130% des Wiederbeschaffungswertes für Reparaturkosten bezahlt werden müssen. Lag der Wiederbeschaffungswert des KFZ vor dem Unfall zum Beispiel bei 10.000,00€, muss die Versicherung maximal 13.000,00€ Reparaturkosten bezahlen. In der Praxis kommt diese Art der Abrechnung von einem Totalschaden  aber eher selten vor, nämlich dann, wenn es sich bei dem Fahrzeug um ein absolutes Liebhaberstück handelt oder ein vergleichbares Fahrzeug am Markt nicht leicht zu beschaffen wäre (z.B. Oldtimer).