Unfallschaden von der Versicherung auszahlen lassen – wann geht das und wie?

Ist ein Fahrzeug durch einen Verkehrsunfall beschädigt worden, fragen sich Unfallgeschädigte oftmals, ob sie den Unfallschaden reparieren oder den Schaden in bar auszahlen lassen sollen. Wenn das Fahrzeug schon etwas älter ist und der Unfallschaden die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt, kann es durchaus sinnvoll sein, mittels der sog. fiktiven Abrechnung den Unfallschaden als Barauszahlung ersetzen zu lassen.

Wenn der Unfallschaden durch den Unfallgegner verursacht wurde: Der Haftpflichtschaden

Insbesondere kommt die Barauszahlung des Unfallschadens dann in Betracht, wenn die Verkehrsunfall durch eine andere Person verursacht wurde. Man spricht dann von einem fremdverschuldeten Unfall und bezüglich des Schadens von einem Haftpflichtschaden. Der Halter des durch den Unfallgegner beschädigten KFZ ist dann der sog. Geschädigte.

Lässt sich der Geschädigte den Unfallschaden auszahlen, hat das weiter keine Konsequenzen. Seine Versicherungsbeiträge steigen ja nicht, weil die einstandspflichtige Versicherung die des Unfallgegners ist. In diesem Fall also kommt die Auszahlung des Unfallschadens sehr oft vor und ist rechtlich ohne weiteres möglich.

Wenn der Unfallschaden durch eigene Schuld verursacht wurde: Der Kaskoschaden

Hat man selbst den Verkehrsunfall verursacht und ist dadurch das eigene Auto zu Schaden gekommen, spricht man von einem selbstverschuldeten Unfall und bezüglich des Schadens von einem Kaskoschaden. Auch bei einem Kaskoschaden ist es grundsätzlich möglich, ohne Reparatur den Unfallschaden in bar auszahlen zu lassen. Es ist allerdings weniger sinnvoll.

Denn nachdem es in diesem Fall die eigene Versicherung ist, die den Unfallschaden regulieren muss, führt dies zumeist für den Versicherten zu einer Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse und damit zu künftig erhöhten Versicherungsbeiträgen.

Die Durchführung der Abrechnung für die Auszahlung: Die fiktive Abrechnung

Wenn der Unfallschaden nicht repariert werden soll, müssen die Kosten ermittelt werden, die für den Fall der Reparatur entstehen würden. Da dann tatsächlich nicht angefallene, sondern nur fiktive Reparaturkosten festgestellt werden, spricht man von der sog. fiktiven Abrechnung. Dazu empfiehlt es sich, ein Gutachten eines KFZ-Sachverständigen erstellen zu lassen, das die Reparaturkosten beziffert.

Was genau die Bestandteile des Unfallschadens auf der fiktive Basis sind, ist vom Einzelfall abhängig. Das hängt zum Beispiel von Fahrzeugalter und -laufleistung, von der Höhe des Zeitwertes des Fahrzeuges im Verhältnis zu den Reparaturkosten und weiteren Faktoren ab.

In jedem Fall bietet das Sachverständigengutachten eine solide Grundlage für die Bemessung des Schadens, der ausgezahlt werden soll.

Die weniger gute Variante der fikten Abrechnung: Der Kostenvoranschlag

Ein Kostenvoranschlag ist eine Aufstellung eines Reparaturbetriebes, zu welchen Kosten eine Instandsetzung des Unfallschadens dort stattfinden könnte. Im Unterschied zu einem Gutachten aber beziffert der Kostenvoranschlag zum Beispiel keine Wertminderung, er bildet nur den Betrag an Reparaturkosten ab, den der ausstellende Betrieb für die Reparatur verlangen würde. Auch berücksichtigt der Kostenvoranschlag nicht, ob das Fahrzeug einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten hat.

Im Verhältnis zu einem Sachverständigengutachten ist ein Kostenvoranschlag daher zumeist die schlechtere Grundlage für die fiktive Abrechnung, weil der Geschädigte dabei unter Umständen auf Teile seines Schadensersatzes verzichtet, oder aber, weil der Kostenvoranschlag im konkreten Fall als Abrechnungsgrundlage nicht taugt.

Ein Kostenvoranschlag ist nur dann zwingend zur Abrechnung heranzuziehen, wenn die Reparaturkosten unterhalb eines Betrages von etwa EUR 750,- liegen. Dann spricht man von einem sog. Bagatellschaden. Zur Bemessung eines Bagatellschadens wären die Kosten für ein Sachverständigengutachten unverhältnismäßig, so dass sie von der gegnerischen Versicherung nicht getragen würden.

Die Geltendmachung des Schadensersatzes bei der gegnerischen Versicherung

Nachdem der tatsächliche Schaden beziffert wurde, ist es notwendig, ihn gegenüber der gegnerischen Versicherung geltend zu machen. Erfahrungsgemäß sollte der Unfallgeschädigte dies nicht selbst versuchen. Denn zu leicht kann es passieren, dass die gegnerische Versicherung Schadenspositionen mehr oder weniger willkürlich kürzt oder verneint und damit die Schadensersatzleistung des Geschädigten verringert.

Sinnvoller ist es, diesen Teil der Schadensregulierung durch einen Rechtsanwalt oder durch einen unabhängigen Dienstleister wie den Deutschen Schadendienst vornehmen zu lassen. Die Kosten hierfür müssen von der Versicherung des Unfallverursachers getragen werden. Diese Form der Abwicklung bietet daher die Vorteile:

  • Rechtssicherheit, dass der wirkliche Schaden ersetzt wird
  • Vermeidung des „Papierkrams“, der ansonsten selbst zu erledigen wäre
  • Keinerlei Kostenrisiko, weil die Kosten von der gegnerischen Versicherung bezahlt werden müssen