Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU)

Keine geringe Anzahl an Gerüchten und Mythen rankt sich um die medizinisch-psychologische Untersuchung der Verkehrstauglichkeit (MPU). Gemeinhin wird diese Untersuchung auch als „Idiotentest“ bezeichnet — doch was ist dran?

Der Deutsche Schadendienst erklärt’s!

Begriff und Inhalt

Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) dient dazu, die Fahreignung des Antragstellers unter Beweis zu stellen. Nur mithilfe einer derartigen Untersuchung können die Zweifel der Verkehrsbehörden an der Fahrtauglichkeit eines Führerscheininhabers ausgeräumt werden.

Die MPU soll eine differenzierte Beurteilung der Entziehung und Neuerteilung von Fahrerlaubnissen erlauben. Endlich trägt dies zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bei.

Die Überprüfung der „Fahrtauglichkeit“ umfasst nicht nur die physische, sondern auch die psychische Befähigung, ein Fahrzeug im öffentlichen Verkehr zu bewegen. Mit Blick auf den Prüfungsgegenstand ergeben sich hieraus bestimmte Anforderungen.

Anordnung der Untersuchung

Die Untersuchung der Fahrtauglichkeit wird in den Fällen veranlasst, in denen seitens der Verkehrsbehörden Zweifel an der Fahreignung eines Führerscheininhabers bestehen.medizinisch-psychologische Untersuchung

Anlass zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit besteht vor allem dann, wenn ein Führerscheininhaber durch Alkohol- oder Drogenkonsum auffällig geworden ist. Denn gerade in diesen Fällen ist zu erwarten, dass sein Fahrverhalten die allgemeine Verkehrssicherheit potentiell beeinträchtigt.

Bewegt sich ein Verkehrsteilnehmer beispielsweise trotz absoluter Verkehrsuntauglichkeit (ab 1,6 Promille) im Straßenverkehr, zieht dies — völlig unabhängig vom Fortbewegungsmittel (KFz, Fahrrad etc.) — eine medizinisch-psychologische Untersuchung nach sich.

Aber auch das Überschreiten der „7-Punkte-Grenze“ führt zur Überprüfung der Fahreignung im Wege einer medizinisch-psychologischen Untersuchung.

Eine entsprechende Überprüfung ist allerdings nicht ausschließlich im Verstoßfall vorgesehen: beispielsweise ist diese auch bei der vorzeitigen Erteilung der Fahrerlaubnis an Jugendliche ab 16 Jahren und an Personen mit körperlicher/psychischer Erkrankung erforderlich.

Das Überprüfungsverfahren

Eine medizinisch-psychologische Untersuchung besteht aus mehreren Untersuchungsteilen, die jeweils aufeinander aufbauen. Neben verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen Untersuchungen werden zudem Untersuchungen zur psychofunktionalen Leistungsfähigkeit vorgenommen.

Eine möglichst differenzierte Beurteilung der Fahreignung soll durch jeweils unterschiedliche Untersuchungsschwerpunkte der Teiluntersuchungen gewährleistet werden.

Verkehrsmedizinische Untersuchung

Untersuchungsschwerpunkt der verkehrsmedizinischen Überprüfung sind potentiell verkehrsrelevante krankhafte Beeinträchtigungen.

Auch auf Alkohol-, Drogen und andere Substanzen bezogenes Suchtverhalten kann hier von Bedeutung sein. Zumindest wird jedweder Konsum von Rausch- und Betäubungsmittel eingehend reflektiert. Nicht selten werden dabei auch Proben von Körperflüssigkeiten entnommen.

Verkehrspsychologische Untersuchung

Schwerpunkt der verkehrspsychologischen Untersuchung ist die Reflexion jeweils begangener Verkehrsverstöße.

Das „psychologische Gespräch“ ist dabei für gewöhnlich Mittelpunkt dieses Untersuchungsabschnitts.

Im Ergebnis soll festgestellt werden, ob in zukünftig vernünftigerweise von angepasstem Verkehrsverhalten des Antragstellers auszugehen ist.

Psychofunktionale Untersuchung

Im Rahmen psychofunktionaler Untersuchungen wird die Leistungsfähigkeit des Antragstellers ermittelt.

Anhand standardisierter Testverfahren werden Konzentration, Aufmerksamkeitsspanne und Reaktionsfähigkeit elektronisch erfasst.

Das Untersuchungsergebnis

Am Ende der mehrstündigen (meist zwischen drei und vier Stunden) Überprüfung folgen Auswertung des Datenmaterials und Gutachtengenerierung.

Im Normalfass besteht innerhalb von 14 -21 Tagen Klarheit darüber, ob der Antragsteller die Zweifel an seiner Verkehrstauglichkeit auf Basis des entstandenen Gutachtens auszuräumen vermag.

Ein Blick auf statistische Erhebungen zeigt, dass im Jahr 2006 in knapp 63% der Fälle die Bedenken der Verkehrsbehörden ausgeräumt werden konnten. Die Fahrer haben ihre Fahrerlaubnis entsprechend (wieder) erteilt bekommen. Trenddaten zeigen zudem, dass der Anteil der (Wieder-)Erteilungen stetig zunimmt.

Zusammenfassung

Auch wenn die medizinisch-psychologische Untersuchung gemeinhin als „Idiotentest“ gilt: sie ist integraler Bestandteil der Deutschen Verkehrspolitik zur Vermeidung von Verunfallung.

Durch mehrere Untersuchungsabschnitte unterschiedlichen Erhebungsansatzes stellt sie ein geeignetes und unverzichtbares Mittel zur fundierten Einschätzung der Fahreignung von Führerscheinbesitzern dar.

Der Deutsche Schadendienst wünscht allzeit gute Fahrt!