Freie Werkstatt oder Vertragswerkstatt — wer ist besser?

Jede anstehende Reparaturmaßnahme ist ärgerlich. Es gibt kaum einen Autofahrer, der Schäden und andere Mängel nicht am liebsten sofort durch sachkundige Hand in Stand setzen lassen wollen würde. Doch wenn die Reparatur tatsächlich ansteht, stellt sich die Frage, wer diese vornehmen soll: eine freie Werkstatt oder doch lieber eine Vertragswerkstatt?

Wo liegen die Unterschiede? Verlangt die Vertragsbetrieb tatsächlich mehr? Wer verfügt über größere Expertise und arbeitet tendenziell gründlicher?

Der Deutsche Schadendienst erklärt’s!

Der wesentliche Unterschied

Wie schon aus der begrifflichen Gegenüberstellung von „freier“ und „Vertrags“-Werkstatt hervorgeht, liegt der wesentliche Unterschied in der Vertragsgebundenheit. vertragswerkstatt

Während freie Werkstätten keinerlei vertraglichen Bindungen unterliegen, haben sich Vertragswerkstätten typischerweise auf Reparatur und Instandsetzung von Fahrzeugen eines Herstellers festgelegt.

Fraglich ist, welche Folgen diese vertragliche Bindung für den Besitzer eines zu reparierenden Fahrzeuges mit sich bringt.

Folgen der Vertragsbindung der Werkstatt für den Autobesitzer

Es sind vor allem zwei Überlegungen, die Autobesitzer — zu recht — vor Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen anstellen:

  • „Wo kann das Fahrzeug zum niedrigsten Preis repariert werden?“
  • „Wo waltet bei Instandsetzung und Reparatur möglichst (fach-)kundige Hand?“

Die Frage der vertraglichen Bindung der Werkstatt ist in diesem Zusammenhang nicht ohne Bedeutung.

Kostenaufwand von Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen

Vergleicht man Kostenvoranschläge typischer Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen freier und vertragsgebundener Werkstätten, so fällt auf, dass freie Werkstätten in einer Vielzahl der Fälle kostengünstigere Varianten offerieren. Kostenvoranschläge der Vertragswerkstätten liegen in einzelnen Fällen sogar mehr als 20% über denen freier Werkstätten.

Es kann sich daher lohnen, vor der Vornahme spezifischer Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen entsprechende Kostenvoranschläge einzuholen und zu vergleichen.

Expertise

Wie ist es aber um die Expertise der Werkstattbetriebe bestellt? Denn dem Fahrzeugbesitzer ist wohl kaum gedient, wenn das Fahrzeug zwar zu günstigem Preis, jedoch nicht durch fachkundige Hand instand gesetzt worden ist. Hieraus könnte sich nämlich im schlimmsten Fall die Notwendigkeit teurer und aufwändiger Anschlussreparaturen ergeben.

Dadurch, dass eine Vertragswerkstatt typischerweise auf die Fahrzeuge eines Herstellers spezialisiert ist, sind die Modelle des jeweiligen Herstellers dort naturgemäß bestens bekannt. Dies gereicht gerade bei aufwändigeren Instandsetzungsmaßnahmen zum Vorteil: die Reparaturabläufe sind bekannt, die Vorgaben der Hersteller finden stets Beachtung. Die Checklisten bei routinemäßigen Wartungs- und Servicearbeiten sind zudem meist deutlich ausführlicher als im freien Werkstattbetrieb.

Sollten also spezielle Instandsetzungsmaßnahmen anstehen — kein einfacher Wechsel von Betriebsflüssigkeiten —, empfiehlt sich der Gang zur Vertragswerkstatt.

Für allgemeine Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen ist der freie Werkstattbetrieb allerdings genau so gut geeignet wie die Vertragswerkstatt.

Gretchenfrage: „Wie hältst du’s mit der Garantie?“ 

Doch auch wenn zumindest routinemäßige Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durch die Hand freier Werkstätten in gleicher Qualität zu günstigerem Preis verrichten werden könnten, schrecken einige Autobesitzer ob möglicher Garantieverluste vor der Beauftragung einer freien Werkstatt zurück. Zu recht?

Tatsächlich besteht keine rechtliche Verpflichtung, Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen jedenfalls in einer Vertragswerkstatt vornehmen zu lassen.

Anders gelagert sind Fälle im Rahmen der Herstellergarantie und der gesetzlichen Mängelhaftung: da der Hersteller hier mindestens anteilig für entstandene Kosten aufzukommen hat, kann die Überstellung an eine Vertragswerkstatt angeordnet werden. Werden Fahrzeuge in diesen Fällen dennoch an freie Werkstattbetriebe überstellt, kann die Garantieleistung des Herstellers unter Umständen verwirkt werden.

Zusammenfassung

Auch wenn obige Erwägungen nicht alle Deutschen Werkstattbetriebe hinreichend zu charakterisieren vermögen, kann abschließend festgehalten werden, dass freie und vertragsgebundene Werkstattbetriebe durchaus Unterschiede aufweisen können: während freie Werkstattbetriebe Standardreparatur- und -instandsetzungsmaßnahmen in der Regel bei gleicher Qualität zu günstigerem Preis anbieten, lohnt im Falle spezieller Reparaturmaßnahmen ein Gang zur Vertragswerkstatt.

Allgemein kann der Hinweis gegeben werden, vor Beauftragung eines Werkstattbetriebs zunächst unterschiedliche Kostenvoranschläge einzuholen. So können die Leistungen freier und vertragsgebundener Werkstattbetriebe auch im konkreten Fall gegenübergestellt werden.

Routinemäßig vorgenommene Servicearbeiten können jedenfalls auch durch einen freien Werkstattbetrieb vorgenommen werden, ohne dass die Garantie des Herstellers verwirkt würde. Handelt es sich jedoch um Instandsetzungsmaßnahmen im Rahmen der gesetzlichen Mängelhaftung, oder der Herstellergarantie, ist von einer Beauftragung eines freien Werkstattbetriebs in jedem Fall dringend abzuraten!

Schlussendlich gilt jedoch: was im Einzelfall richtig ist, kann auch nur am Einzelfall ermittelt werden.

Allzeit Gute Fahrt wünscht der Deutsche Schadendienst!